Finanzielle Inklusion und digitaler Euro: Pflegenavi bei AccessibleEU
Digitale Finanzdienstleistungen sind für viele Menschen längst selbstverständlich. Doch nicht alle Personen verfügen über die notwendigen technischen Möglichkeiten, digitalen Kompetenzen oder Unterstützungsangebote, um diese Dienste selbstständig nutzen zu können.
Besonders betroffen sind unter anderem ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, wohnungslose Personen, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen und Personen, die nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Endgeräten oder zum Internet haben.
Die Veranstaltung – organisiert von AccessibleEU – brachte Expert:innen aus Forschung, Bankenwesen, Interessenvertretungen und sozialen Organisationen zusammen. Diskutiert wurden unter anderem die Barrierefreiheit digitaler Finanzangebote, die Rolle von Bargeld, Anforderungen an inklusive Bankanwendungen sowie die zukünftige Gestaltung des digitalen Euro.
Neue Studie zeigt das Ausmaß digitaler finanzieller Exklusion
Ein besonderer Programmpunkt war die Präsentation einer neuen Studie zur digitalen finanziellen Exklusion in Österreich. Die Untersuchung wurde im Zusammenhang mit der Arbeitsgruppe „Finanzielle Inklusion“ des „Forum on the Digital Euro“ der Österreichischen Nationalbank durchgeführt.
Für die Studie wurden österreichweit 868 volljährige Personen online, telefonisch oder persönlich befragt. Untersucht wurde, ob Menschen digitale Finanzdienste selbstständig, nur mit persönlicher Unterstützung oder überhaupt nicht nutzen können.
Die Ergebnisse zeigen: Über alle untersuchten Zahlungsszenarien hinweg sind 8 Prozent der Befragten von digitaler finanzieller Exklusion betroffen.
Je nach Anwendung unterscheidet sich die Betroffenheit:
- 10 Prozent bei digitalen Zahlungen zwischen Privatpersonen
- 9 Prozent beim Online-Einkauf
- jeweils rund 6 Prozent bei Zahlungen an der Kasse und bei der digitalen Annahme von Zahlungen
Noch deutlicher werden die Unterschiede beim Blick auf besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen:
- 45 Prozent bei wohnungslosen Menschen
- 36 Prozent bei Personen mit geringen Deutschkenntnissen
- jeweils 22 Prozent bei geflüchteten Personen und Menschen mit Behinderungen
- 18 Prozent bei Senior:innen über 80 Jahren
Bei Menschen mit Behinderungen sind insbesondere Personen mit Lernschwierigkeiten von digitaler finanzieller Exklusion betroffen.
Fehlendes Vertrauen und mangelnde Unterstützung als zentrale Barrieren
Die Studie zeigt auch, dass digitale finanzielle Exklusion nicht ausschließlich auf fehlende technische Fähigkeiten zurückzuführen ist.
Als häufigste Ursache nannten 32 Prozent der Befragten ein geringes Vertrauen in die Sicherheit ihrer Daten. Weitere wichtige Faktoren sind fehlende Unterstützung im persönlichen Umfeld oder durch Servicemitarbeiter:innen sowie Probleme mit Sprache und Zugänglichkeit.
Daraus wird deutlich: Finanzielle Inklusion kann nicht allein durch die Bereitstellung einer App oder eines digitalen Zahlungsmittels erreicht werden. Notwendig sind verständliche Informationen, barrierefreie Anwendungen, persönliche Unterstützung und ein hohes Maß an Sicherheit und Vertrauen.
Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Website der Österreichischen Nationalbank abrufbar.
Der digitale Euro als Chance für mehr Teilhabe
Auch der aktuelle Entwicklungsstand des digitalen Euro war ein Schwerpunkt der Veranstaltung. Dieser soll nicht nur ein zusätzliches digitales Zahlungsmittel werden, sondern von Beginn an möglichst inklusiv und barrierearm gestaltet sein.
Damit das gelingt, müssen die Bedürfnisse jener Menschen berücksichtigt werden, die derzeit besonders stark von digitaler finanzieller Exklusion betroffen sind. Dazu gehören einfache und verständliche Benutzeroberflächen, barrierefreie Zugänge, Möglichkeiten zur persönlichen Unterstützung und Lösungen, die auch bei geringen digitalen Kenntnissen sicher verwendet werden können.
Entscheidend ist dabei, betroffene Personen frühzeitig in die Entwicklung einzubeziehen. Nur so können Lösungen entstehen, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer:innen orientieren.
Finanzielle Inklusion beginnt bei der täglichen Fremdgeldverwaltung
Für Pflegenavi ist finanzielle Inklusion nicht nur ein Zukunftsthema rund um künstliche Intelligenz oder den digitalen Euro. Sie beginnt bereits bei der täglichen Verwaltung von Klienten- und Depotgeldern.
Viele Menschen – insbesondere ältere Personen sowie Menschen mit Unterstützungsbedarf – können ihre finanziellen Angelegenheiten nicht mehr vollständig allein erledigen. Ihr Geld wird daher teilweise von Angehörigen, Erwachsenenvertretern oder Mitarbeiter:innen einer Pflege- und Sozialeinrichtung verwaltet.
In traditionellen Systemen erfolgt diese Fremdgeldverwaltung häufig noch mit Bargeld, handschriftlichen Listen, Belegsammlungen und voneinander getrennten Abrechnungen. Für die betroffenen Menschen selbst und ihre Vertrauenspersonen war dadurch oft nur schwer nachvollziehbar, wie viel Geld aktuell verfügbar ist, wofür es verwendet wurde und welche Belege zu den einzelnen Ausgaben gehören.
Rückfragen mussten über die Einrichtung geklärt und Unterlagen teilweise erst zusammengesucht werden. Gleichzeitig trug das Pflege- und Verwaltungspersonal eine hohe Verantwortung und musste mit zeitaufwendigen und fehleranfälligen Prozessen arbeiten.
Pflegenavi digitalisiert diese Abläufe und macht die Verwaltung der Gelder für alle berechtigten Beteiligten nachvollziehbarer. Ausgaben, Einzahlungen und Belege werden übersichtlich dokumentiert, Zuständigkeiten klar geregelt und Vorgänge transparent abgebildet. Klient:innen sowie – abhängig von der jeweiligen Berechtigung – Angehörige und Erwachsenenvertreter:innen erhalten dadurch einen besseren Einblick in die Geldverwaltung.
Digitalisierung schafft hier nicht nur effizientere Prozesse. Sie stärkt auch das Vertrauen, schützt die beteiligten Personen und ermöglicht mehr finanzielle Selbstbestimmung.
Transparenz bedeutet dabei nicht, dass möglichst viele Menschen Zugriff auf sensible Informationen erhalten. Vielmehr geht es darum, dass die richtigen Personen genau jene Informationen sehen können, die sie für ihre Aufgabe und Verantwortung benötigen.
KIFA: Künstliche Intelligenz für finanzielle Inklusion
Mit dem FFG Forschungsprojekt KIFA – „Künstliche Intelligenz für finanzielle Inklusion“, das gemeinsam mit der UMIT Tirol – Privatuniversität für Pflegewissenschaften umgesetzt wird, geht Pflegenavi noch einen Schritt weiter.
Im Pflege- und Sozialbereich benötigen Menschen bei der Verwaltung ihres Geldes häufig Unterstützung. Gleichzeitig sollen sie so weit wie möglich selbstbestimmt handeln und vor finanziellen Risiken geschützt werden.
Im Rahmen des Forschungsprojekts KIFA wurde untersucht, wie künstliche Intelligenz dabei helfen kann, diese beiden Ziele miteinander zu verbinden. Mögliche Einsatzbereiche sind beispielsweise verständliche digitale Assistenz, Unterstützung bei finanziellen Entscheidungen, Hinweise bei ungewöhnlichen Transaktionen sowie die frühzeitige Erkennung von Betrugs- und Missbrauchsrisiken.
Dabei soll künstliche Intelligenz den Menschen nicht die Kontrolle entziehen. Vielmehr geht es darum, je nach individuellen Fähigkeiten das passende Maß an Unterstützung bereitzustellen – von einfachen Hinweisen bis hin zur begleiteten Durchführung finanzieller Vorgänge.
Innovation braucht soziale Verantwortung
Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass finanzielle Inklusion kein Randthema ist. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der möglichen Einführung des digitalen Euro gewinnt sie weiter an Bedeutung.
Technologische Innovation kann den Zugang zu Finanzdienstleistungen vereinfachen und mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Dafür müssen Sicherheit, Barrierefreiheit und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen jedoch von Anfang an berücksichtigt werden.
Für Pflegenavi ist klar: Digitale Lösungen im Pflege- und Sozialbereich müssen nicht nur effizient sein. Sie müssen vor allem den Menschen dienen, Vertrauen schaffen und eine möglichst selbstbestimmte finanzielle Teilhabe ermöglichen.
Vielen Dank an AccessibleEU, die Österreichische Nationalbank und alle Beteiligten für die wertvollen Einblicke und den spannenden Austausch.


